Tango-Guide · Stand Oktober 2026
Zwei Kontinente, ein Hafen, an fast jedem Abend gleich mehrere Milongas. Ein Reisebegleiter für alle, die in Istanbul tanzen wollen und tagsüber die Stadt sehen möchten.
Die Szene
In Istanbul beginnt der Abend spät, und er endet selten früh. Wer hier tanzen möchte, hat die Wahl: Die Szene gilt als eine der größten außerhalb Argentiniens, an den meisten Abenden finden mehrere Milongas gleichzeitig statt, auf der europäischen und auf der asiatischen Seite des Bosporus. Das Publikum ist bunt gemischt: Einheimische, Zugezogene aus aller Welt, Gastlehrende und Reisende. Auch an den Universitäten gibt es Tangoclubs.
Getanzt wird überwiegend klassischer Salon-Tango mit Tandas, also Blöcken von drei oder vier Stücken, bei denen man mit derselben Person bleibt. Bei Festivals sind internationale DJs und Livemusik dabei, bei den wöchentlichen Milongas bleibt es eher familiär.
Die größte Dichte an Milongas findest du rund um Taksim, Beyoğlu, Cihangir und Pera auf der europäischen Seite. Hier liegen viele der bekannten Adressen wie Milonga 333, Tango Mia, Zeytuna, Nar und El Huracan, dazu Läden, Cafés und Hotels in Gehweite. Der zweite Schwerpunkt ist Kadıköy auf der asiatischen Seite, mit Tormenta, Los Amigos, Milonga Soho im TangoPort und dem Noble Pratik. Einzelne Termine gibt es außerdem in Beşiktaş (Freitag), Mecidiyeköy und Şişli (La Cumparsita am Dienstag, ein Nachmittagsprojekt am Samstag) und in Üsküdar.
Kadıköy ist in den letzten Jahren spürbar gewachsen. Wer die Wahl hat, plant am besten einen Abend auf jeder Seite und nutzt die Fähre als Auftakt.
Gerade für Solotänzerinnen und Solotänzer ist Istanbul ein guter Ort. Die Practicas am Wochenende sind lockerer als die Abend-Milongas und ein leichter Einstieg. Gastlehrende und Festivals bringen den größten Zulauf, dort lernt man am schnellsten Leute kennen. Die Veranstalter sind auf Instagram und über Gruppen erreichbar, viele geben auch eine Telefonnummer an, und eine kurze Nachfrage vor dem ersten Besuch wird gern beantwortet.
Ein Hinweis zur Heimreise nach der Milonga steht weiter unten im Kapitel „Ankommen und unterwegs“: Nach Mitternacht fahren Metro und Tram nur noch in den Wochenendnächten.
Milonga-Woche
Eine verbindliche Gesamtliste gibt es nicht, die Veranstalter ändern Tage und Uhrzeiten, und die öffentlichen Listen sind unterschiedlich aktuell. Der Plan unten ist deshalb eine Orientierung auf Basis mehrerer Quellen. Ein kurzer Blick auf Instagram oder eine Nachricht an den Veranstalter, bevor du losgehst, spart dir einen vergeblichen Weg.
Der Samstag bietet die größte Auswahl. Sonntag und Montag beginnen früh und enden früh, das passt gut, wenn am nächsten Morgen ein Flug wartet. Von Montag bis Donnerstag wechseln sich Beyoğlu und Kadıköy ab.
Verzeichnisse zum Gegenchecken: tangodans.com, tangotr.com, lifetimetango.com/istanbul und milongainistanbul.com.
Lernen
Istanbul hat mehrere Tangoschulen, auf beiden Seiten des Bosporus. Ihre Webseiten sind meist auf Türkisch, vieles läuft über Instagram, Facebook oder WhatsApp. Für Reisende heißt das: Schreibe die Schule oder die Lehrenden einige Tage vor der Reise direkt an, nenne Wunschtermin, Niveau und Sprache und frage nach dem Preis.
Gruppenkurse ohne festen Partner, nach Niveau gestaffelt (Einführung, Technik, Practicas), dazu Seminare, Wochenend-Workshops und eine wöchentliche Milonga mit Practica. Ein Anfängerzyklus dauert etwa vier Monate. Für Kurzreisende sind Workshops oder Einzelstunden die bessere Wahl; eine kostenlose Einführungsstunde gibt es auf Anfrage.
tangonar.com · Kontakt per WhatsApp
Studios auf beiden Seiten, dazu Practicas, Milongas, Einzelstunden und Workshops mit argentinischen Lehrenden. Die Schule versteht sich als sozialer Ort und arbeitet ohne festen Lehrplan.
tangogaraj.com · iletisim@tangogaraj.com
Gegründet von Aydın Kocamusaoğlu, der nach eigener Aussage in 15 Ländern unterrichtet hat. Schüler aus mehreren Ländern, regelmäßige Practicas.
Die direkte Buchung bei Schule oder Lehrenden ist der verlässlichste Weg, am einfachsten per WhatsApp oder Instagram. Auch Reiseveranstalter bieten Privatstunden an. Ein Beispiel ist eine zweistündige Stunde mit einem europäischen Champion zu rund 210 US-Dollar pro Person; direkt bei den Lehrenden zu buchen dürfte günstiger sein.
Wer in Istanbul Tangoschuhe kaufen möchte, hat gleich mehrere Adressen. In der Gegend um die İstiklal Caddesi arbeiten Schuhmacher wie Necmi Usta und Umay Kundura, beide verschicken auch ins Ausland. Turquoise Shoes führt Fertigmodelle an der Sıraselviler Caddesi. Tanguera hat einen Laden auf der asiatischen Seite. Maßschuhe brauchen Zeit, am besten bestellst du vor der Reise vor oder planst einen Anprobetermin am Anfang des Aufenthalts. Adressen und Öffnungszeiten bitte vorher kurz prüfen.
Im Dezember 2024 bot das Museum Istanbul Modern im Rahmen eines Abendprogramms einen Tango-Workshop an. Solche Gelegenheiten tauchen immer wieder auf, ein Blick in die Programme der Museen lohnt sich.
Festivals
Istanbul feiert fast das ganze Jahr Marathons und Festivals. Zwei Termine sind die großen Anker: Sultans of Istanbul im November und TanGO TO Istanbul im März. Alle Preise unten sind Angaben der Veranstalter in Euro und können sich bis zur Anmeldung noch ändern.
Marathon, Festival und Wettbewerb in einer Woche: Über 60 Stunden Tango in sieben Tagen, rund 500 Tanzende. Gespielt wird im Ballsaal des Dedeman Istanbul in Gayrettepe (Beşiktaş), die Workshops finden in den Tagungsräumen des Hotels statt. Das Konzert am Samstag, 14. November, ist im Naval Museum.
Das größte Festival der Stadt. Bei der Ausgabe 2026 kamen rund 800 Tanzende aus über 70 Ländern zusammen, es gab mehr als 100 Workshops, drei Orchesterkonzerte, sieben Milongas, einen VIP-Marathon und einen Weltcup in 15 Kategorien. Der Kern der Veranstaltung mit VIP-Marathon, Konzerten und Wettbewerb liegt zwischen dem 11. und 16. März.
Ein „Festival im Marathon“ der Sultans-Veranstalter: 2026 mit rund 300 Tanzenden vom 22. bis 26. April. Für 2027 sind Ort und Programm noch nicht bekannt gegeben, die Planung am besten dort verfolgen: tangomania.istanbul.
Zu diesen Veranstaltungen findest du bisher nur Termine in den Listen. Programm, Preise und Anmeldung findest du, indem du den Namen der Veranstaltung auf Instagram oder im Netz suchst.
Ankommen und unterwegs
Istanbul hat zwei große Flughäfen, einen auf jeder Seite des Bosporus. Von beiden brauchst du ein bis zwei Stunden in die Tangoviertel. Alle Preise sind in türkischen Lira, ein Euro entspricht derzeit rund 55 Lira. Die Lira verliert schnell an Wert, die Tarife werden mehrmals im Jahr angehoben.
Der große Flughafen liegt im Norden der europäischen Seite, 45 bis 55 Kilometer von Taksim entfernt. Die bequemste Verbindung für müde Reisende mit Gepäck ist der Havaist-Bus, der direkt nach Taksim fährt.
| Weg | Dauer | Preis | Wissenswert |
|---|---|---|---|
| Havaist-Bus nach Taksim | ca. 90 Min. | rund 470 ₺ | Auch nachts: Abfahrten gegen 00:30, 01:15 und 02:15, dann ab 04:30. Nach Kadıköy rund 120 Min. |
| Metro M11 | ca. 30 Min. bis Gayrettepe | Fahrkarte | Umstieg nach Taksim auf die M2. Letzte Bahn kurz nach Mitternacht. |
| Taxi | 45 bis 90 Min. | gut 2.000 ₺ | Mit Taxameter, siehe unten. Für das Geld bekommst du auch einen Transfer. |
| Vorbestellter Transfer | 45 bis 60 Min. | ab etwa 55 € | Festpreis pro Fahrzeug, Fahrer wartet in der Halle. |
Der kleinere Flughafen liegt im Südosten auf der asiatischen Seite und ist die erste Wahl, wenn du nach Kadıköy oder zum Festival TanGO TO in Pendik möchtest. Die Metro M4 fährt von dort nach Kadıköy (rund 50 Minuten), mit Anschluss an Fähren und Marmaray. Ein Taxi nach Taksim kostet etwa 2.500 bis 3.200 Lira, ein vorbestellter Transfer ab etwa 70 Euro.
Fast alles im Nahverkehr bezahlst du mit der Istanbulkart: Metro, Tram, Bus, Marmaray, Standseilbahnen und die Fähren der Stadt. Die Karte bekommst du an gelben Automaten (Biletmatik) an den Stationen und an beiden Flughäfen, sie kostet rund 165 Lira, eine Einzelfahrt mit Karte etwa 46 Lira. Die Automaten geben kein Wechselgeld, nimm kleine Scheine mit. Eine Karte können bis zu fünf Personen nacheinander nutzen. Ein Startguthaben von etwa 500 Lira reicht für die ersten Tage.
Eine Besonderheit hat die Marmaray: Beim Einsteigen sperrt das Drehkreuz einen Höchstbetrag. Am Zielbahnhof gibst du den Rest am orangen „Geri Ödeme“-Automaten wieder frei.
Die gelben Taxis fahren nach Taxameter. Aktuell beträgt die Grundgebühr rund 72 Lira, dazu kommen etwa 48 Lira pro Kilometer, der Mindestpreis liegt bei 230 Lira. Eine Fahrt von Beyoğlu nach Kadıköy kostet ungefähr 650 Lira plus Wartezeit.
Die wichtigste Planungsfrage für Tangoreisende: Reguläre Metro, Tram und Marmaray fahren nur bis etwa Mitternacht. Eine Nachtmetro gibt es nur in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag, auf den Linien M1A, M1B, M2, M4, M5, M6 und M7. An einzelnen Wochenenden fallen Fahrten aus und werden durch Busse ersetzt, schau vorher in die Ankündigungen. Unter der Woche und sonntags bleibt nach Mitternacht das Taxi, am besten per App bestellt oder im Lokal rufen lassen.
Wer auf der asiatischen Seite wohnt und in Beyoğlu tanzt, fährt am Abend mit der Fähre hinüber und nimmt zurück Taxi oder Nachtmetro.
Wohnen
Für Tangoreisende lohnt sich meist die Gegend Beyoğlu, Cihangir und Karaköy: Hier liegen die meisten Milongas, und der Heimweg ist nach dem letzten Tanz am kürzesten. Kadıköy auf der asiatischen Seite ist günstiger und hat den zweiten Milonga-Schwerpunkt, liegt aber hinter dem Bosporus.
Milongas in der Nähe, Tram T1 und Fähren in Karaköy, viele Cafés. Die Gassen sind steil, Koffer lässt du dir per Taxi bis zur Haustür fahren. In Cihangir gibt es eher Apartments als Hotels.
Viele Milongas zu Fuß, Gastronomie, Metro M2. Am Wochenende bis nach Mitternacht laut. Zimmer zum Hof helfen, Ohrstöpsel auch.
Gute Küche, günstiger als die Altstadt, zweiter Tangokiez und Fähre auf die europäische Seite. Moda ist ruhig, mit Teegärten, aber kaum Nachtleben.
Wohnlich, Fähranleger am Bosporus, Freitags-Milonga. Das Angebot an Unterkünften ist begrenzt, nach Karaköy sind es etwa 15 Minuten.
Alle Altstadt-Ziele vor der Haustür, nachts ruhig. Touristisch, Restaurants teuer, abends leert es sich.
Saubere, elegante Gegend, Milongas in Mecidiyeköy und Şişli. Teuer und mit wenig Charakter.
Als grobe Orientierung für die ganze Stadt: Hostels liegen im Schnitt bei rund 75 US-Dollar (Privatzimmer eingerechnet), die günstigsten Betten gibt es ab etwa 10. Ein Dreisternehotel im Schnitt bei rund 120, ein Vier-Sterne-Haus bei knapp 190 und ein Fünf-Sterne-Haus bei etwa 400 US-Dollar pro Nacht. Je nach Viertel und Saison schwanken die Preise stark. Zu den Häusern, die Reiseführer immer wieder nennen, gehören das Pera Palace und das Halich Hotel in Beyoğlu, das Celine Hotel in Sultanahmet und das Valente Suites in Beşiktaş.
Apartments mit Küche passen für längere Aufenthalte. Seit 2024 gelten in der Türkei strengere Regeln für die Kurzzeitvermietung. Inserate brauchen eine Genehmigungsnummer, Inserate ohne gültige Angaben können abgeschaltet werden. Schau vor der Buchung nach der Nummer und lass dir die Ankunftszeit bestätigen, besonders wenn du spät landest.
Essen und Trinken
Istanbul lässt sich nach einer Milonga gut ernähren: Das Frühstück ist ausgiebig, Street Food gibt es an jeder Ecke, und etliche Lokale in Beyoğlu und Kadıköy haben bis tief in die Nacht geöffnet. Die Preise unten sind Richtwerte in Lira und nur als Orientierung gedacht. Schau vor Ort auf die Speisekarte.
Ein normales türkisches Frühstück in einem Café in der Nebenstraße kostet etwa 250 bis 350 Lira. Für das große serpme kahvaltı, bei dem dir viele kleine Schälchen mit Käse, Oliven, Eiern, Marmelade, Honig und Brot an den Tisch gestellt werden, zahlst du an Aussichts- oder Modeorten rund 450 bis 600 Lira, und der Tee wird nachgeschenkt. Cihangir gilt als Zentrum des Serpme-Frühstücks. Wer allein ist, kann nach einem „single plate“ fragen und muss nicht den ganzen Tisch bezahlen.
Für den kleinen Hunger gibt es an jeder Ecke etwas: Simit, der Sesamring vom roten Wagen, kostet 15 bis 20 Lira. Ein Fischbrötchen am Ufer in Eminönü oder auf dem Fischmarkt in Kadıköy rund 150 bis 220 Lira, ein Dürüm-Döner 120 bis 220, Tantuni (gewürztes Rindfleisch im Wrap) 130 bis 200. Gefüllte Muscheln, midye dolma, kosten zwischen 12 und 18 Lira pro Stück. Ein Glas Tee gibt es für 15 bis 35 Lira, einen türkischen Kaffee für 60 bis 110.
Die Faustregel: Dort essen, wo Einheimische anstehen. Bei Muscheln in der warmen Jahreszeit besser vorsichtig sein, ein verdorbener Magen kostet Tanzabende.
Die Meyhane ist der klassische Abend in Istanbul. Es beginnt mit kalten Meze, danach kommen gegrillter Wolfsbarsch, Köfte oder Oktopus, dazu Rakı oder Wein. Niemand hetzt, ein Tisch bleibt oft Stunden. Für zwei Personen mit Meze und einer Flasche Rakı solltest du etwa 1.500 bis 2.500 Lira einplanen. Reserviere von Donnerstag bis Samstag, besonders draußen.
Beliebt sind Asmalımescit, der Çiçek Pasajı und die Nevizade Sokak in Beyoğlu. Die Nevizade ist die touristischste dieser Straßen. Etwas ruhiger geht es am Rand von Asmalımescit zu. Auf der asiatischen Seite ist das Çiya Sofrası in Kadıköy für anatolische Hausmannskost bekannt, besonders für Gemüse in Olivenöl.
Milongas enden oft spät, und in Beyoğlu und Kadıköy gibt es Imbisse mit sehr langen Öffnungszeiten. Zu den Klassikern nach dem Ausgehen gehören der islak hamburger (ein weicher, in Knoblauchsauce gedämpfter Burger, ursprünglich aus Taksim), kokoreç (gegrillte Innereien am Spieß, nicht jedermanns Sache), Tantuni und Kuttelsuppe. Genannt werden unter anderem Kızılkayalar und Bambi Büfe in Beyoğlu und Dürümcü Emmi in Kadıköy. Prüfe vorher mit dem Handy, wann sie öffnen, denn die Angaben stammen aus älteren Berichten.
Die türkische Küche hat viele pflanzliche Gerichte: Gemüse in Olivenöl, Linsensuppe, Meze und Çiğ köfte. In Beyoğlu und Cihangir gibt es Lokale wie Zencefil, Nature & Peace, Hayyam und Bambi Vegan, in Kadıköy zum Beispiel Community Kitchen und Yeşil Mavi. Viele Küchen haben einen Ruhetag, ein Anruf vorher hilft. Frage in der Meyhane nach, ob Gemüsegerichte mit Fleischbrühe oder Butter zubereitet sind.
Baklava kostet 80 bis 130 Lira pro Portion, Künefe rund 140 bis 220. Pistazien-Baklava hält sich im Gepäck besser als Cremevarianten. Alkohol wird in Restaurants, Bars und Hotels ausgeschenkt, im Handel darf er nachts zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht verkauft werden. Ein Bier im Lokal kostet etwa 200 bis 350 Lira, ein Glas Rakı 250 bis 500. Im Restaurant bestellst du Wasser am besten als Flasche („su şişesi“).
In Restaurants sind rund zehn Prozent in bar üblich, in Cafés und Kebab-Lokalen genügt Aufrunden. Kartenterminals haben meist keine Trinkgeldzeile, halte also Lira bereit. Lass dir die Rechnung einzeln aufschlüsseln und gleiche sie mit der Bestellung ab.
Wenn du in der Zeit des Ramadan reist, 2027 voraussichtlich vom 8. Februar bis 8. März, frage bei Lokalen und Veranstaltern nach den aktuellen Zeiten.
Die Stadt
Istanbul passt gut zu Milongas, die erst um 21 oder 22 Uhr beginnen: Die großen Sehenswürdigkeiten öffnen gegen 9 Uhr und sind am Morgen am leersten. Wer bis nach Mitternacht tanzt, schafft selten einen frühen Start. Sinnvoll sind ein später Vormittag für ruhige Ziele wie Viertelspaziergänge oder Hammam, und ein früher Aufbruch nur an wenigen Tagen.
Dieses Gebiet ist zugleich Wohn- und Milonga-Viertel. Typisch ist ein Spaziergang von Taksim die İstiklal Caddesi hinunter nach Galata und dann über die Brücke oder mit der Tram in die Altstadt. Der Galataturm kostet rund 30 Euro und ist täglich von 8:30 bis 23 Uhr geöffnet. Die Abendsession ist ruhiger als der Sonnenuntergang. Eine Alternative ohne Eintritt sind die Terrassen der Cafés ringsum und die Galatabrücke. Der Dolmabahçe-Palast in Beşiktaş kostet etwa 2.000 Lira, ist montags geschlossen und passt gut an einen Vormittag vor der Freitags-Milonga in Beşiktaş.
Die öffentliche Bosporus-Fähre fährt in etwa sechs Stunden mit langem Aufenthalt in Anadolu Kavağı und kostet rund 10 Euro. Private Fahrten reichen von der einfachen Rundfahrt bis zur Dinnerfahrt mit Show. Wer abends tanzen möchte, sollte die späte Rückkehr bei Dinnerfahrten einplanen. Eine günstige Alternative sind die normalen Stadtfähren nach Kadıköy oder Üsküdar.
Kadıköy ist zweiter Milonga-Schwerpunkt und auch ohne Tango einen Besuch wert: mit dem Markt, der Akmar-Passage, der Bahariye-Straße und Moda mit Teegärten und Eis. In Üsküdar gibt es einen Fischmarkt und am Ufer von Salacak einen schönen Blick auf den Mädchenturm bei Sonnenuntergang.
Ein Halbtags- oder Tagesausflug mit der Fähre ab Eminönü oder Kabataş, auf Büyükada nach etwa 60 bis 90 Minuten, von Kadıköy oder Bostancı kürzer. Auf den Inseln fahren keine Autos. Du gehst zu Fuß, mietest ein Fahrrad oder nimmst das Elektro-Shuttle. Am schönsten sind Mai und Juni oder der frühe Herbst, und lieber unter der Woche, im Sommer ist es an den Wochenenden sehr voll. Plane die letzte Fähre zurück ein.
Nach einer Milonga-Nacht ist ein Vormittag im Hammam eine ruhige Alternative zum frühen Aufbruch. Çemberlitaş (1584) kostet etwa 1.200 bis 3.800 Lira, je nach Paket, Cağaloğlu (1741) rund 2.000 bis 4.500. Das Süleymaniye Hamamı ist gemischt, hier baden Paare im selben Raum. Wickeltuch anlassen, andere Gäste nicht fotografieren, Schmuck im Hotel lassen und ein bis zwei Gläser Wasser trinken. Vor einer Tanznacht lieber nicht zu lange in der Hitze bleiben.
| Tag | Vorschlag |
|---|---|
| Tag 1 | Hagia Sophia früh, Blaue Moschee, Zisterne, Spaziergang durch die Altstadt |
| Tag 2 | Topkapı (nicht dienstags), Archäologische Museen, Gewürzbasar, Fähre zurück nach Karaköy |
| Tag 3 | Großer Basar (nicht sonntags), Süleymaniye, Galata, Beyoğlu, abends der Galataturm |
| Tag 4 | Prinzeninseln, am besten unter der Woche |
| Tag 5 | Kadıköy, Moda und Üsküdar, dazu ein Hammam am Vormittag |
Beachte die Ruhetage: Topkapı dienstags, Dolmabahçe montags, Chora-Kirche freitags, Großer Basar sonntags.
Ein Tagesausflug nach Bursa (Fähre nach Mudanya und Bus, insgesamt etwa zweieinhalb Stunden) oder nach Edirne (Bus, etwa 2,5 bis 3 Stunden, Selimiye-Moschee) lohnt nur an einem Tag ohne Milonga am Vorabend. Für Tänzerinnen und Tänzer sind die Prinzeninseln der kürzeste Ausflug.
Gut zu wissen
Als deutsche Staatsangehörige reist du mit Reisepass oder Personalausweis ein und bleibst bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen ohne Visum. Der Reisepass braucht mindestens eine freie Seite. Reisende unter 18 brauchen ein eigenes Dokument, bei abweichendem Familiennamen oder Reise ohne beide Eltern empfiehlt sich eine Vollmacht. Die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts solltest du kurz vor der Abreise lesen.
Die Währung ist die türkische Lira (₺ oder TL). Kontaktloses Zahlen funktioniert in den meisten Restaurants, Geschäften und Hotels. Für Märkte, Imbisse, kleine Cafés und Trinkgeld brauchst du Bargeld, 500 bis 1.000 Lira in kleinen Scheinen genügen für den Anfang. Hebe an Automaten von Banken ab, nicht an freistehenden Geräten, und wähle bei Kartenzahlung und Abheben immer die Abrechnung in Lira, nicht in Euro. Wechsel nur in Wechselstuben (döviz) oder am Automaten.
Zur Orientierung bei den Preisen: Ein Gericht im einfachen Restaurant kostet rund 575 Lira (etwa 10 Euro), ein Cappuccino 215, ein Bier vom Fass 225.
Istanbul gilt für Reisende überwiegend als sicher, Gewalt gegen Touristen ist selten. Mit einigen Dingen solltest du aber rechnen:
Schultern und Knie bedecken, Frauen ein Kopftuch, Schuhe ausziehen. Viele Touristenmoscheen verleihen Kopftücher kostenlos. Während der fünf Gebete und besonders freitags mittags sind Moscheen für Besucher eingeschränkt. Betende werden nicht fotografiert, das Handy bleibt stumm. Im Alltag ist Istanbul kosmopolitisch, in konservativeren Vierteln wie Fatih ist bedeckte Kleidung üblicher.
Istanbul hat milde, feuchte Winter und warme, meist sonnige Sommer. Der Wind weht fast das ganze Jahr, im Winter fällt gelegentlich Schnee. Die Balken zeigen die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur in Grad Celsius.
Rot markiert: die Festivalmonate März (TanGO TO) und November (Sultans of Istanbul).
Ramazan beginnt 2027 voraussichtlich am 8. Februar und endet am 8. März, das Zuckerfest (Ramazan Bayramı) folgt vom 9. bis 11. März. Das Opferfest liegt voraussichtlich am 16. bis 19. Mai. Am ersten Festtag schließen die meisten Läden, Basare und Museen. Feste Feiertage sind der 23. April (Kinderfest), der 1. Mai, der 19. Mai, der 15. Juli, der 30. August und der 29. Oktober (Tag der Republik). Die Termine der beweglichen Feste hängen von der Mondsichtung ab und können um einen Tag abweichen.
Das EU-Roaming gilt in der Türkei nicht. Für Reisen bis zu vier Wochen ist eine eSIM meist die einfachste und günstigste Lösung, als Richtwert reichen 5 bis 10 GB für zwei Wochen mit Hotel-WLAN. Aktiviere sie vor der Abreise und teste sie. Ausländische Handys dürfen bis zu 120 Tage ohne Registrierung genutzt werden, für Urlaubsreisen spielt das keine Rolle.
Die Steckdosen sind wie in Deutschland, normalerweise brauchst du keinen Adapter. Amtssprache ist Türkisch, in touristischen Vierteln wird häufig Englisch gesprochen. Ein paar Worte kommen gut an: Merhaba (Hallo), Teşekkür ederim (Danke), Lütfen (Bitte), Ne kadar? (Wie viel?), Hesap, lütfen (Die Rechnung, bitte), İyi akşamlar (Guten Abend). Im öffentlichen Raum ist Zurückhaltung bei Zärtlichkeiten üblich. Auf Milongas fragst du vor Aufnahmen lieber nach.
Pflichtimpfungen gibt es bei der Einreise aus Deutschland nicht, empfohlen werden die Standardimpfungen (besonders Masern) und Hepatitis A. Eine Auslandskranken- und Rückholversicherung ist wichtig, Krankenhäuser verlangen oft Vorauszahlung, das gilt auch für Verletzungen beim Tanzen. Apotheken erkennst du am grünen Kreuz und dem Wort eczane. Als Trinkwasser nimmst du am besten Flaschenwasser.
Antiquitäten dürfen nicht ohne Genehmigung ausgeführt werden, der Begriff ist weit gefasst und reicht bis zu alten Münzen und Fossilien. Bei neuen Teppichen bewahrst du den Kaufbeleg auf. Bei der Rückreise nach Deutschland gilt eine Freigrenze von 430 Euro bei Flugreisen, dazu 200 Zigaretten und einige Liter Alkohol.
| Wofür | Nummer |
|---|---|
| Einheitlicher Notruf | 112 |
| Polizei | 155 |
| Feuerwehr | 110 |
| Ausländer-Hotline, auch auf Deutsch | 157 |
| Deutsches Generalkonsulat Istanbul | İnönü Caddesi 10, Gümüşsuyu · Telefon +90 212 334 61 00 |
| Notfall außerhalb der Bürozeiten | +90 532 111 91 05 |
Trage dich vor der Reise in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts ein und bewahre eine Kopie deines Passes getrennt vom Original auf.